Ausbildung der besonderen Art

Ausbildung der besonderen Art

Nienburg/Jeversen (LK Nienburg). Der Schwerlastverkehr nimmt zu. Davon ist der Einsatzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Nienburg nicht ausgenommen. Die Bundesstraßen 6, 214 und 215 sorgen für ein massives Aufkommen von Lkws.

Bisher blieb die Ortsfeuerwehr Nienburg von schwereren Lkw-Unfällen – wie sie fast tagtäglich auf den Autobahnen passieren – verschont, jedoch kann ein Unfall mit Beteiligung eines Lkw jederzeit auch hier geschehen. Damit schnell und zielgerichtet Hilfe geleistet werden kann, haben sich Einsatzkräfte am vergangenen Samstag auf dem Gelände der ZF WABCO Testbahn GmbH in Jeversen die Möglichkeit gehabt, sich sachkundig zum Thema Lkw beschulen zu lassen.

Gestartet wurde der Tag mit der Erläuterung, wie ein Lkw konstruktiv aufgebaut ist, welche Sicherheitssystem diese haben und wo sich die Hersteller im Groben unterscheiden. Anschließend ging es in den praktischen Teil der Ausbildung. Hierbei wurde Schritt für Schritt in kleinen Gruppen der Unfall abgearbeitet. Zuerst galt es den laufenden Motor ohne Abziehen des Zündschlüssels zu stoppen. Hier griffen die Übungsteilnehmer auf einen CO-2-Feuerlöscher zurück und entleerten diesen in den Lufteinlass. Innerhalb kürzester Zeit war der Motor „gestorben“. Danach musste die Fahrgastzelle des Lkw so weit stabilisiert werden, dass die vorhandenen Federungen keine ungewollten Bewegungen bei der Menschenrettung auslösen. Mittels Spanngurten konnte diese Maßnahme schnell und effektiv umgesetzt werden.

Nachdem der Lkw stabilisiert wurde, dies dient unter anderem zur Eigensicherung der Einsatzkräfte, verschafften sich die Teilnehmer Zugang zu dem Fahrer. Da simuliert wurde, dass die Türen der Fahrerzelle sich nicht mehr öffnen ließen, bahnten sich die Feuerwehrkräfte den Weg durch die Scheiben des Lkw. Bei einem echten Unfall würden viele Schritte gleichzeitig laufen, so dass der Rettungsdienst schnell eine Erstversorgung einleiten kann.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung mussten die Feuerwehrmitglieder, die knapp 80kg schwere Fahrertür, vom Fahrzeug entfernen. Da Lkw höher aufgebaut sind, wurde die Rettungsbühne genutzt. Mit dem rund 25kg schwerem Spreizer, ein Teil des hydraulischen Rettungssatzes, wurde zu Beginn eine Öffnung geschaffen. Diese Öffnung wurde genutzt, um die Fahrertür abzufangen, so dass diese nicht durch unkontrollierte Bewegungen die Hilfeleistenden verletzt. Nachdem die Tür entfernt wurde, konnten mittels Hydraulikstempel und der Rettungsschere der Fahrer aus seiner Notlage befreit werden. Zusätzlich übten die Teilnehmer, wie am effektivsten die Lenksäule mittels einer Seilwinde, vom verunfallten Fahrer wegezogen werden kann.

Diese Ausbildung konnte nur die Grundlagen schaffen. Jeder Unfall, sei es mit einem Pkw oder Lkw, ist anders. Die Vielfalt der Fahrzeugtypen sowie die Unfallcharakteristik machen ein punktgenaues Training nahezu unmöglich.

Am Ende des Tages konnten die 20 Teilnehmer viele wichtige Informationen und Vorgehensweisen mitnehmen. Auch das Testen verschiedener Rettungsvarianten führte mit zu dem Erfolg des Tages.

Bild und Text: Henkel, FF Nienburg/W.

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